Indonesiens Vielfalt vereint durch Kirchenchor-Festival

  • 2
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Von Agastya Rama Listya, Chorleiter und Komponist

Kirchenchor-Festival und die Stadt Ambon

Indonesien könnte das einzige Land der Welt sein, welches regelmäßig ein staatlich finanziertes landesweites Kirchenchor-Festival abhält. Indonesiens nationales Kirchenchor-Festival, bekannt als Pesta Paduan Suara Gerejawi oder kurz Pesparawi, ist die Endrunde für 34 Sieger aus 34 Provinzen, in welchen die Wettbewerber in zwölf Kategorien und für den Gesamtsieg angetreten sind. Die zwölf Kategorien sind Kinderchöre, Jugendchöre, Frauenchöre, Männerchöre, gemischte Erwachsenenchöre, Vokalensembles, Christliche Popmusik, Volkslied, Kindersolo und Jugendsolo. Pesparawi ist ein offizielles Programm, das im 3-Jahres-Rhythmus vom Ministerium für religiöse Angelegenheiten unter dem Generaldirektorat für Christliche Gemeinschaften und dem Nationalen Pesparawi Entwicklungsprogramm abgehalten wird. Die Ziele des Festivals sind zum einen die Vereinigung der 30 Millionen indonesischen Christen durch Chorgesang und zum anderen die Anregung für die Kirchenchöre, an ihrer Qualität zu arbeiten und sie auf nationales Niveau zu bringen. Das erste Festival fand 1986 in Jakarta statt. Seither wechseln sich die Provinzen des Landes mit der Gastgeberschaft des Festivals ab, um allen Provinzen die gleichen Chancen zu geben.

Es war kein Zufall, dass die Stadt Ambon zur Gastgeberin des 11. Nationalen Pesparawi ernannt wurde. Ambon ist die Hauptstadt der Provinz Maluku (Molukken), welche einige schwere soziale Unruhen vom Ende der 1990er Jahre bis in die frühen 2000er Jahre erlebt hat. Die Religionskriege zerstörten nicht nur die Stadtinfrastruktur und öffentliche Einrichtungen, sondern auch den Dialog zwischen den Religionen, der im Laufe der Zeit aufgebaut worden war. Religiöse Toleranz, die im pela gandong System festgeschrieben war, um gleichwertige Beziehungen zwischen Dörfern, Bezirken oder Königreichen zu formalisieren, zerbrach vollkommen binnen weniger Jahre.

Mit ihrem Mut, sich als Gastgeber des 11. Nationalen Pesparawi anzubieten, demonstriert die Stadt Ambon der Öffentlichkeit, dass sich die Situation auf den Molukken und insbesondere in der Hauptstadt wieder normalisiert hat. Wenig überraschend war es dann, dass der Organisator Psalm 133,1 „Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen!“ als Thema des Festivals auswählte. Das Thema beschreibt klar das inzwischen friedlichere und tolerantere Klima auf den Molukken. Ambon offenbarte ehrliche Anstrengungen bei der Veranstaltung des Festes, indem alle Beteiligten der Gemeinde eingebunden wurden: die Kommunalverwaltung, die Geschäfte vor Ort, das Militär, die Polizei und die Gemeinden der Muslime, Hindus und Buddhisten.

Das achttägige Festival (4.-11. Oktober 2015) war fröhlich und friedlich. Alle Beteiligten waren beeindruckt von der Gastfreundlichkeit der Stadtbewohner während des Festivals. Ihre Herzlichkeit und Aufrichtigkeit haben das Image von Ambon von einer feindseligen Stadt in eine nicht nur in ihrer Natur, sondern auch in ihren Bewohnern schöne Stadt gewandelt.

CWN_Uniting_Indonesia's_Diversity_through_Church_Choral_Festival_picture_1

Die Organisation des Festivals

In der Schlussfeier des 11. Nationalen Pesparawi wurde der Gastgeber Maluku für den Gesamtsieg prämiert und schlug damit seinen größten Konkurrenten, die West Papua Provinz. Maluku gewann in drei Kategorien: Männerchöre, Kindersolo (7-9 Jahre) und Christlicher Pop. Die West Papua Provinz als zweiter Sieger erhielt ebenfalls Trophäen für drei Kategorien: Frauenchöre, Jugendchöre, Jugendsolo (10-13 Jahre).

CWN_Uniting_Indonesia's_Diversity_through_Church_Choral_Festival_picture_3

Vielfalt im Nationalen Pesparawi vereint

Musik (in diesem Fall Chormusik) hat sich als effektives Mittel erwiesen, verschiedene ethnische oder religiöse Gruppen zu vereinen. Unterschiede schmelzen, sobald die Musik spielt. Während der Eröffnungsfeier spielte eine Blaskapelle, deren Mitglieder Schüler einer kommunalen öffentlichen Koranschule, Madrasah Aliyah Negeri I Ambon, waren. In der Parade wurde eine Gruppe von Teilnehmern im Hidschab gesichtet, bevor der indonesische Präsident das Festival eröffnete. Die Wettbewerbsorte waren nicht nur mit Mitgliedern der christlichen Gemeinden gefüllt, sondern auch mit denen anderer Religionen. Es schien fast, als wäre nur Musik in der Lage, die Menschen derart zu einen. Chormusik könnte daher als ein Phänomen betrachtet werden, das Religionen, Rassen und Gruppen zusammenbringt.

Die Versuche und Anstrengungen, die Einheit in der Vielfalt von Ambon wiederherzustellen, ist im 11. Nationalen Pesparawi erfolgreich geglückt. Während früher die Vielfalt durch das pela gandong System vereint wurde, hat Ambon heute seine Vielfalt durch Musikveranstaltungen zusammenbringen können. Ein großes Display am Flughafen mit dem Motto „Ambon, die Stadt der Musik“ schien es neu zu formulieren, dass das neue Ambon ein musikalischeres Ambon ist.

In Zukunft könnte die Internationale Föderation für Chormusik mehr zum Weltfrieden durch Chormusik beitragen. Chormusik kann als eine effektive Art betrachtet werden, Menschen verschiedener Religionen und ethnischer sowie politischer Hintergründe zu vereinen. Die Art, wie Musik unsere Herzen berührt, befähigt die Musik oder Chormusik, eine friedlichere und hoffnungsvolle Welt herbeizuführen. Das 11. Nationale Pesparawi in Ambon war nur ein Beispiel, wie Musik Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenbringt.

 

Agastya Rama Listya machte seinen Bachelorabschluss in Musiktheorie und Komposition am Indonesischen Institut für Kunst in Yogyakarta. Seinen Masterabschluss in geistlicher Musik und Chorleitung machte er am Luther-Seminar und St. Olaf College in Minnesota, USA. Zwischenzeitlich promovierte Agastya in Musikethnologie an der Otago Universität in Neuseeland. Agastya war Gründer und Leiter des Lentera Kashi Vokalensemble und Satya Wacana Vocal Consort. Neben seiner Tätigkeit als Chorleiter komponiert Agastya Chormusik. E-Mail: agastya123@yahoo.com

 

Übersetzt aus dem Englischen von Annette Borstlap, Deutschland

PDFPrint

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *