12. World Symposium on Choral Music (WSCM2020) (Internationales Symposium für Chormusik), Auckland, Neuseeland

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John Rosser, künstlerischer  Leiter, 12.  Weltsymposium zur Chormusik

 

Die Ouvertüre

Die Neuseeländer haben von Anfang an großes Interesse am Internationalen Symposium für Chormusik (WSCM) gezeigt, als es zum ersten Mal 1987 in Wien stattfand.  Seitdem nahmen regelmäßig Vertreter aus Neuseeland an diesem Symposium teil und einige der neuseeländischen Chöre und Berufsmusiker wurden eingeladen, sich am Programm zu beteiligen.

Ein erster konkreter Schritt war das Treffen des Leiters der New Zealand Choral Federation (NZCF) (Chorverband Neuseeland) und des Vorsitzenden Grant Hutchinson mit Mitgliedern der IFCM ExCom auf der World Choral Expo (Internationale Messe für Chöre) 2015 in Macau, wo die Vorgehensweise zur Bewerbung näher erörtert wurde.

Auckland city at night

 

Die Bewerbung

Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie entschied sich die NZCF, sich um das Symposium 2020 zu bewerben, damit dieses dann in Auckland stattfinden konnte. Der Tourismusverband Neuseelands und das Veranstaltungsbüro in Auckland arbeiteten mit uns die Bewerbungsunterlagen aus, die im März 2016 an IFCM geschickt wurde.

Anfang Juli erfuhren wir, dass Auckland als Gastgeber für das WSCM 2020 aus den Bewerbungen von Städten in fünf anderen Kontinenten auserwählt worden war. Die Reaktion der neuseeländischen Chorgemeinschaft war überwältigend und die NZCF erhielt einen nationalen Touristikpreis für ihre erfolgreiche Bewerbung.

Die Übergabe

Eine Veranstaltungsgesellschaft wurde zur Umsetzung der Veranstaltung gegründet und die Vorbereitungen des Management Teams begannen mit der Reise nach Katalonien im Juli 2017, wo die offizielle Übergabe beim WSCM11 stattfand. Das Logo, die Kennzeichnung mit dem Wappen, die Website, das Design für die Ausstellungsstände, Videos und gedrucktes Material wurden vorbereitet, um uns bei der Kontaktaufnahme mit den Abgeordneten aus Barcelona zu unterstützen. Beim Abschlusskonzert auf dem Symposium im  L’Auditori trat Manaia (eine in Londonansässige Māori Künstlergruppe) mit einem traditionellen Pōwhiri und Haka auf.  Alle anwesenden Neuseeländer gingen anschließend auf die Bühne, um gemeinsam mit der Gruppe ein Waiata zu singen.

All the Kiwis performing a traditional pōwhiri and haka at the WSCM11 closing concert (2017)

 

Der Aufruf

Die IFCM ernannte Emily Kuo Vong, Gábor Móczár und Ki Adams als administrative Einheit und Tim Sharp, Jean-Claude Wilkens und Jonathan Velasco als künstlerische – beide Teams waren engagiert und erfahren.  Das Gastgeberland traf eine Auswahl aus einem Konglomerat aus bekannten Chordirigenten, Regierungsbeamten und Managern: Juliet Dreaver, Christine Argyle und Lisa Davis, und John Rosser, Karen Grylls und Peter Walls.

Im Mai 2018 erging ein Aufruf an Chöre und praktizierende Musiker und eine entprechende Datenbank wurde entwickelt, um die vielfältigen Antworten zu einzuordnen.  Bewerber wurden gebeten, auf ein Thema einzugehen, das Aotearoa Neuseeland sehr gut widerspiegelt: “Land und Leute | He tangata, he whenua” – die Verbindungen und Spannungen zwischen den Menschen und dem Land, zwischen dem Leben in der Stadt und der Natur. Die Reaktion war überwältigend. Am Ende der Frist, am 31.  Oktober, hatten 180 Chöre und 182 Künstler*innen ihre Bewerbungen eingereicht – eine Rekordzahl für die WSCM insgesamt. Die sechs Mitglieder des Künstlerischen Komitees lasen jede Bewerbung und hörten sich alle an, und aus ihrer Liste wurde eine echte Weltklassegruppe von 24 Chören und 40 Künstlern ausgewählt.

Der Start

Die erfolgreichen Gäste des WSCM 2020 wurden benachrichtigt und ihre Bilder auf einem “Enthüllungsvideo” zusammengestellt, ein vollständiger Plan für die Preise zur Anmeldung wurde erstellt und am  20. Februar 2019 wurde in Auckland eine Veranstaltung durchgeführt, bei der mit den Anmeldungen begonnen wurde. Außerdem wurde ein “Surround Sounds”-Festival als Rahmenprogramm angekündigt, um während des Symposiums die besten Gruppen aus Übersee und die besten Chöre Neuseelands zusammen auf die Bühne zu bringen.  

WSCM12 at ACDA Convention 2019

 

Die Promotion

Die ACDA war eine von fünf internationalen Chorveranstaltungen, die für die Bewerbung des WSCM 2020 ausgewählt wurden. Im Sommer 2018 hatten wir das große CICF-Chorfestival in Peking besucht und unseren Stand auch auf dem kurz darauffolgenden und ebenso beeindruckenden Europa Cantat in Tallinn aufgebaut. Die letzte Station dieser Welttournee war das Chorfestival von ANCA im April 2019 in Fremantle, bei dem wir Gelegenheit hatten, an die Kontakte mit unseren australischen Kollegen wieder anzuknüpfen und sie für ein weltumspannendes Ereignis “auf der anderen Seite des Grabens” zu begeistern.

Zurück in Neuseeland, fuhr das Team mit seiner Roadshow in verschiedene Regionen des Landes und zeigte seine starke Präsenz sowohl auf dem nationalen Schulfest, The Big Sing, und der Versammlung der Chordirigent*innen, Choral Connect, die alle zwei Jahre stattfindet.

WSCM 2020 wurde darüber hinaus weitgehend durch Artikel und Anzeigen in Chorzeitschriften, die Kontaktaufnahme zu internationalen Chorverbänden und deren Mitglieder und eine breite und zielgerichtete Kampagne in den sozialen Medien beworben.

Das Crescendo

Die Zahl der Anmeldungen am Ende der Frist für Frühbucherrabatte für das WSCM 2020  waren überaus ermutigend und übertrafen die Budgetprognose. Während es Ende 2019 weniger wurden, stieg die Zahl der Anmeldungen aus den USA und besonders aus Australien im Januar 2020 wieder stark an und aus China meldeten sich drei große Gruppen an. Das Interesse im Inland war unvermindert stark.

Die Programmgestaltung war abgeschlossen und die Aufführungsorte und -zeiten wurden Ende 2019 bekannt gegeben. Die Vorbereitung mehrerer Konzerte neuseeländischer Gruppen war in vollem Gange, darunter eine Theateraufführung anlässlich der Eröffnungszeremonie und eine spektakuläre Darbietung von “kapa haka”, und eine groß angelegte Kommission von mehreren Komponist*innen und Chören befasste sich mit dem Thema des Matariki, dem Sternbild, dessen Wiedererscheinen das traditionelle Neujahr der Maori einläutet.

Stapel von Konzertkarten lagen zum Verkauf bereit, Freiwillige meldeten sich, das Design des Buches zum WSCM 2020 war vorbereitet, Taschen für die Teilnehmer wurden bestellt…

Das Ende

Anfang Februar 2020 kamen beunruhigende Nachrichten aus Wuhan. Im Laufe des Monats waren weitere Länder betroffen und ein Chor musste absagen. Hotelbuchungen wurden storniert und die Teilnehmer begannen, Rückerstattungen zu verlangen. Das Management-Team berechnete das Budget zweimal neu und zog ein Symposium mit weniger Teilnehmer in Betracht, aber die Geschwindigkeit der Verbreitung der Pandemie machte alle unsere Bemühungen zunichte.

Nach mehreren internen Treffen und Telefonkonferenzen zwischen dem Symposium-Team und dem ExCom  beschlossen die IFCM und die NZCF gemeinsam am 15. März  –  mit großem Bedauern und tiefer Trauer  –,  das WSCM 2020 abzusagen. Diese Nachricht löste eine Flut von Briefen aus der ganzen Welt aus, in denen unsere Enttäuschung geteilt wurde und die gleichzeitig sehr freundlich und verständnisvoll geschrieben waren.  An dem Tag, an dem wir absagten, wurden weltweit 20.000 neue Fälle von Covid-19 gemeldet. Am 16. Juli, normalerweise mitten in unserem Symposium, waren es 250.000.

Das Nachspiel

Während der darauffolgenden Monate wurde die Infrastruktur des Symposiums abgebaut und allen Angemeldeten sowie den Betreibern der Stände wurden ihre Anmeldegebühren zurückerstattet. Am Tag nach der „Symposiumswoche“ organisierte das Organisationsteam für die WSCM 2020 eine Veranstaltung, um sich bei denjenigen zu bedanken, die – wie wir glauben – zu einem großartigen Festival beigetragen hätten.

Besonders erwähnt wurden dabei die IFCM, die NZCF-Vorstände, die beiden beratenden Ausschüsse; die Vorstände der NZCF, Christine Argyle und der verstorbene Grant Hutchinson; und unsere wichtigsten Leiter und Manager während der vier Jahre, Michael Littlewood, Warwick Webb,  Briony Ellis,  Siobhan Waterhouse, Candice de Villiers und Cathryn Wyllie. Ein besonderer Dank gilt schließlich unserer großartigen Festivalmanagerin Kylie Sealy und der Kontaktmanagerin Juliet Dreaver, die gleichzeitig meine enge Kollegin während der gesamten Reise war.

Dieser Verlust hat unseren Wunsch, hier im Südpazifik ein internationales Symposium abzuhalten, nur verstärkt. Alle, die „mit ihren Kanus in unseren chorischen Gewässern unterwegs sind“, sind nach wie vor in Aotearoa Neuseeland willkommen.

Übersetzt aus dem Englischen von Sibylle Walter, Deutschland

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